News | Projekt | Download | Links | Termine | Kontakt
Navigation
Beschreibung
Grundlagen
Teilnehmer
Standorte
Auftrag
Kooperationen
Verbände
Sponsoren

Die Weiterentwicklung des handwerklich-motorischen
Eignungstests (HAMET) zum hamet 2

(G.Pfeiffer, M.Goll, J.Tress)


1. Einführung

Der Übergang von der Schule zur Berufsausbildung (sog. "erste Schwelle") stellt einen bedeutsamen Abschnitt im Prozess der beruflichen Entwicklung dar. Junge Menschen stehen vor einer der wichtigsten Weichenstellungen ihres Lebens. Interessen und Fähigkeiten müssen in Übereinstimmung mit den beruflichen Angeboten und Anforderungen gebracht werden. Für diesen Entscheidungsprozeß, der hohe Anforderungen stellt, sind besondere Hilfestellungen notwendig. Dies gilt insbesondere für behinderte jungen Menschen mit einem erhöhten Förderbedarf. Individuelle berufliche Orientierungsmöglichkeiten, Zuordnungs- und Zuweisungsprozesse der Ausbildungsinstitutionen und der Kostenträger müssen besonderen Ansprüchen genügen und für alle Beteiligten ein hohes Maß an Transparenz aufweisen. Diese jungen Menschen münden in der Regel in gewerbliche Berufsausbildungen ein, für die praktische Fertigkeiten von besonderer Bedeutung sind.

Ein Verfahren, das versucht, diesen Ansprüchen gerecht zu werden, liegt für den Bereich der praktisch-motorischen Fertigkeiten im "Handwerklich-motorischen Eignungstest" (HAMET) vor.

Der HAMET wurde 1978/79 entwickelt (M.Dieterich, E.Messerle, M.Goll) und seit dieser Zeit insbesondere bei der Frage nach der beruflichen Eignung und Förderung lernbehinderter Schulabgänger/-innen eingesetzt.

Nachdem der HAMET im REHA-Bereich einen gewissen Bekannheitsgrad hat, es ist auch davon auszugehen, dass einige Arbeitserzieher/innen ihn in der beruflichen Praxis einsetzen, sollen in diesem Artikel Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem über 20 jährigen Einsatz des HAMET im BBW Waiblingen angesprochen werden. Schwerpunkt sind jedoch die Veränderungen und Neuerungen vom HAMET zum hamet 2 und vor allem der praktische Einsatz. Dies wurde bei der Erstellung dieses Berichtes so gut wie möglich beachtet, es lässt sich jedoch nicht vermeiden, da der Test nach wissenschaftlichen Kriterien entwickelt wurden, auf gewisse, möglicherweise nicht so übliche Fachbegriffe einzugehen. Die Autoren des Artikels und des hamet 2 sind übrigens als Teilzeit-Lehrkräfte an der Ludwig-Schlaich-Schule Waiblingen, Fachschule für Arbeitserziehung tätig.



2. Aus der Praxis - aber nach wissenschaftlichen Kriterien

Der hamet 2 hat seine Wurzeln im Berufsbildungswerk Waiblingen, der Zweigeinrichtung der Diakonie Stetten. Diese Einrichtung mit ihrer über 150-Jährigen Erfahrung in der beruflichen Förderung Behinderter hatte schon in den 50-er Jahren eine sogenannte „Berufsfindung“, die für junge Behinderte den geeigneten Weg für eine berufliche Eingliederung vorbereitete. Die Berufsfindungswerkstatt war so eingerichtet, dass in ihr verschiedenste handwerkliche Tätigkeiten durchgeführt werden konnten. Besonders geeignete Aufgaben, die schnell einen Überblick über berufliche Fähigkeiten gaben, wurden nach und nach zu einer Arbeitsprobenreihe zusammengestellt. Diese Arbeitsprobenreihe hatte im Vergleich zu üblichen Testverfahren wesentliche Vorteile:

  • Da sie in einer Werkstatt durchgeführt wurden, entstand auch eine Arbeitssituation ähnlich einer Lehrwerkstatt.

  • Misserfolgserfahrungen im Vergleich zu Schul- und Intelligenztest spielten daher eine untergeordnete Rolle

  • Es konnte genau gemessen werden, wie genau und sorgfältig handwerkliche Dinge erledigt werden können

  • Außerdem war es möglich, zusätzlich das Arbeitsverhalten mit zu beurteilen

Diese positiven Erfahrungen leiteten zu dem Gedanken, solche Aufgaben nach wissenschaftlichen Kriterien zu einem Test weiter zu entwickeln. Nach diesen Kriterien wurden die geeignetesten Untertests ermittelt. Expertenbefragungen hinsichtlich wichtiger beruflicher Anforderungen wurden durchgeführt, aus diesen Befragungen heraus noch zusätzliche Aufgaben eingebaut. Damit erfüllt der HAMET die Testgütekriterien der Validität, Reliabilität, Objektivität und Normierung. Er liefert eine transparente Entscheidungshilfe für die berufliche Orientierung von Schulabgängern und ist ein Hilfsinstrument für die Zuordnungsprozesse der Ausbildungsinstitutionen und der Kostenträger.

Die jahrelangen Erfahrungen unterschiedlicher Anwender des HAMET (Sonderschulen, Berufsbildungswerke, sonstige Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation, Reha-Kliniken)
bestätigen die Nützlichkeit des Verfahrens:

  • die handlungsbezogene Testdurchführung in der Werkstatt ist motivierend und unterstützt die berufliche Selbstfindung und Selbstwirksamkeit der jungen Menschen.

  • der HAMET kann als Entscheidungshilfe von Ausbildungsinstitutionen und Kostenträgern herangezogen werden, insbesondere auf Grund der Erfassung motorischer Fähigkeiten, die für viele einfachere Berufe von zentraler Bedeutung sind und die mit Papier-Bleistift-Tests nicht erfasst werden können

  • der ressourcenorientierte Ansatz ermöglicht differenzierte förderdiagnostische Aussagen und Empfehlungen

  • für sog. "Problemfälle" (z.B. wiederholte Ausbildungsabbrecher) können mit Hilfe des HAMET differenzierte Empfehlungen für eine realistische berufliche Förderung aufgestellt werden.

Die Entwicklung und Normierung des HAMET liegt nunmehr 20 Jahre zurück. Eine Revision im Jahre 1990 bezog sich auf die Erweiterung des Aufgabenspektrums mit PC-Aufgaben. Die inzwischen erfolgten Veränderungen in der Berufs- und Arbeitswelt (Rückgang gewerblich-technischer Berufe, Zunahme von Dienstleistungsberufen) und in der Rehabilitation (Integrationsdiskussion, Regionalisierung, Lernortedifferenzierung) machten aber eine umfassende Weiterentwicklung und Revision des HAMET notwendig.



3. Schwerpunkte der Revision

Die Schwerpunkte der Revision des HAMET konnten aufgrund der langjährigen Erfahrung mit dem Testverfahren bei der Eingangsdiagnostik der BBW Waiblingen, der darauf beruhenden statistischen Analyse von über 2300 Probanden und einer Anwenderbefragung klar bestimmt werden:

  • Erhöhung der Testökonomie

    Die Erhöhung der Testökonomie umfasst
    - die kostengünstige Auswahl von Arbeitsmaterialien und Testwerkzeugen
    - eine einfache Reproduzierbarkeit der Aufgaben
    - die Vereinfachung der Auswertung.

  • Entwicklung von Aufgaben aus dem Dienstleistungsbereich

    Der HAMET orientierte sich deutlich an Aufgabenstellungen, Materialien und Werkzeugen aus handwerklichen Berufsfeldern (z.B. Ausmalen, Feilen, Draht biegen, Ein- und Ausschrauben) und damit an typischen Männerberufen. Es fehlten im Aufgabenstellungen und Testmaterialien aus dem Dienstleistungsbereich, den eher typischen Frauenberufen.

  • Informationstechnologie

    Die zunehmende Bedeutung der elektronischen Informationsverarbeitung in praktisch allen Berufsfeldern sollte bei der jetzigen Revision besondere Berücksichtigung finden. Die bisher vorliegenden EDV-Aufgaben wurden im Rahmen der ersten HAMET-Revision 1990 entwickelt. Sie mussten überarbeitet und erweitert werden.

  • Grobmotorik

    In den hamet 2 sollten auch grobmotorischen Arbeiten aufgenommen werden, so dass das zukünftige Spektrum motorischer Anforderungen von grobmotorischen Werkzeugeinsätzen bis zu feinmotorischen Werkzeugführungen reicht.

  • Systematisierung der Verhaltensbeobachtung

    Neben der Ermittlung eines normorientierten Leistungsprofils ermöglicht die praxisnahe Testdurchführung in der Werkstatt auch eine Beobachtung des Arbeitsverhaltens.

    Systematisierte Aussagen zu diesen Verhaltensbereichen sind für eine Beurteilung beruflicher Kompetenzen und für förderdiagnostische Empfehlungen ebenso bedeutsam wie die rein quantitativen Ergebnisse.

  • Diversifikation der Anwendungsmöglichkeiten

    Der HAMET wird seit Jahren im Rahmen der Berufswahl lernbehinderter junger Menschen erfolgreich eingesetzt, darüber hinaus aber auch in an angrenzenden Feldern der Rehabilitation (z.B. Werkstatt für Behinderte, Reha-Kliniken). Der revidierte Test sollte auch für diese Felder Aufgaben anbieten, die eine ausreichende Differenzierung nach unten und oben ermöglichen.

    Auf Antrag der Berufsbildungswerke Waiblingen und Offenburg übernahm das Bundesministerium für Arbeit die Hauptfinanzierung dieses Modellprojektes. In der zur Verfügung stehenden Projektlaufzeit 1.5.98 – 31.12.99 wurde der HAMET von den Autoren und unter wissenschaftlicher Begleitung von Prof. M. Dieterich (Testautor des HAMET) umfassende revidiert und steht jetzt als hamet 2 zur Verfügung. Da sich der revidierte HAMET neben den handwerklich-motorischen Elementen auch andere Aspekte beruflicher Kompetenz berücksichtigt, erschien die Bezeichnung „handwerklich-motorischer Eignungstest“ nicht mehr angemessen. Da der Name „HAMET“ allerdings eingeführt ist, wurde dieser beibehalten und die revidierte Fassung nunmehr als hamet 2 bezeichnet und mit dem Untertitel „Handlungsorientiertes Testverfahren zur Erfassung und Förderung beruflicher Kompetenzen“ versehen.



4. Übergreifende Fähigkeiten zur Beurteilung von Rehabilitanden/innen

Für Praktiker in der Werkstatt stellt sich immer wieder die Frage, wie sie Rehabilitanden, die bei ihnen in der Arbeit vor Ort beurteilt werden sollen, praktischen, oft handwerklichen Anforderungen gewachsen sind. Oft genug müssen solche Beurteilungen in möglichst kurzer Zeit und auch noch mit objektiver Ergebnissen abgegeben werden. In der Regel wird auf besonders geeignet scheinende Tätigkeiten und Werkstücke zurückgegriffen. Diese Ergebnisse sind meist situationsbezogen, d.h. Dinge wie Gruppenklima, Sympathien, Ablehnungen, Auftragslage beeinflussen die Ergebnisse solcher Untersuchungen. Aufgaben, die objektiv beurteilt werden können, auch zusätzlich Hinweise zu Arbeits- und Lernverhalten geben, sind eine große Hilfe.

Diese Problematik deutet auch auf den Platz hin, den solche Untersuchungen haben. Sie sind in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Geschickt sein allein genügt nicht, wenn an dem Arbeitsplatz auch ein Mindestmaß an Kooperationsfähigkeit, Kommunikation oder kognitiven Anforderungen notwendig sind. Es sind weitere Faktoren gefragt.

Faktoren Beruflicher Reife





Untersuchungen mit dem hamet 2 sind immer in diesem Zusammenspiel mit anderen Fähigkeiten zu sehen. Natürlich können bei der Durchführung der Testaufgaben weitere Dinge beobachtet werden, jedoch wird eine ganzheitliche Beurteilung nur in Kombination mit anderen Untersuchungen erreicht.

Von wesentlicher Bedeutung ist, dass die hier genannte handwerkliche Geschicklichkeit nicht nur auf motorische Fertigkeiten begrenzt gesehen werden kann. Neben der Fähigkeit, Werkzeuge geschickt einsetzen zu können, kommen auch, vor allem bei Dienstleistungsberufen bzw. Arbeitsplätzen andere, zwar praktische, aber nicht so stark motorische Geschicklichkeit fordernde Handlungsanteile hinzu. Darunter die immer wichtiger werdende Bedienung von computerisierten Arbeitsgräten, organisatorische Aufgaben von Verpacken bis sortieren, aber auch kulturtechnische Fähigkeiten streifen wie z.B. die Nutzung von Messwerkzeugen.

Diese handlungsbezogenen Anteile sind bei Rehabilitand/innen mit schwachen schulischen und intellektuellen Möglichkeiten von entscheidender Bedeutung. Oft bleiben nämlich nur Berufe übrig, in denen praktisch-manuelle Tätigkeiten im Vordergrund stehen, d.h. nur wenn hier Ressourcen vorhanden sind, ist eine berufliche Eingliederung möglich. Nur in der Zusammenschau mit anderen Fähigkeiten und Eigenschaften ist eine gezielte Reha-Arbeit möglich.



5. Faktoren handwerklich-motorischer Anforderungen

Dem Praktiker in der Werkstatt war es immer klar, dass handwerkliche Anforderungen in verschiedenen Berufen sich ähneln, z.B. das Einmessen bestimmter Punkte, an denen gebohrt, geschnitten, gesägt, geschweißt, genäht werden muss. Unterschiede ergeben sich da im Grunde nur durch den Einsatz unterschiedlicher Messwerkzeuge. Die Kenntnis über Maßeinheiten, das Wissen, wie ein Schnittpunkt entsteht ist identisch. Weiteres Beispiel: Ein Messer soll genau auf einer Linie ein Papier durchtrennen. Hier geht es eindeutig um die Steuerungsfähigkeit. Der Pinsel soll genau an einer Begrenzung entlang geführt werden, damit eine gerade Malkante entsteht. Auch hier geht es um Steuern, jedoch kommen Dinge wie Kenntnisse über die Konsistenz der Farbe (Flüssigkeit, Deckungsfähigkeit) hinzu. Bei der Entwicklung dieses Tests gingen die Autoren davon aus, dass ein Testverfahren, wenn es ein breit gefächertes Ergebnis ohne unnötige Überschneidungen zu ähnlichen Problemstellungen ermitteln soll, diese Tatsache berücksichtigen muss.

Schon bei der Testkonstruktion des HAMET 1978 wurde davon ausgegangen, dass es handwerkliche Fertigkeiten gibt, die auch in unterschiedlichen Berufen ähnlich aussehen. Mit statistischen Verfahren können aus verschiedenen Einzeltests übergreifende Fähigkeiten und Fertigkeiten (Faktorenanalyse) errechnet werden, diese Bündelungen werden Faktoren genannt. Die erste Faktorenuntersuchung im Jahr 1980 ergab 4 Faktoren, die einleuchtend erschienen. Sie wurden so beschrieben:

  • Vorgegebene Begrenzungen müssen mit beliebigem Werkzeug oder Maschine erreicht werden. Dazu ist eine fortlaufende Beobachtung des Produkts notwendig.
    Beispiele: Sauber malen, genau schneiden, exakt etwas ausfeilen

  • In einem vorgegebenen Koordinatensystem müssen nach vorliegenden Plänen genaue Bezugspunkte hergestellt werden
    Beispiel: Mit Maßstab und Anschlagwinkel Schnittpunkte bestimmen

  • Gleichmäßige, in der Regel feinmotorische Arbeiten, die nur geringe kognitive Anforderungen stellen, müssen durchgeführt werden.
    Beispiel: Schrauben so schnell wie möglich aus und eindrehen

  • Flächen, bzw. Körper müssen symmetrisch ergänzt werden.
    Beispiel: Mit Bleistift symmetrische Figuren freihändig ergänzen

Die Überarbeitung und Neukonstruktion der neuen Testaufgaben folgte den dargestellten Schwerpunkten, d.h. die Entwicklung neuer Aufgaben orientierte sich an der Faktorenstruktur der ersten HAMET-Faktoren von 1980.

Nach Durchführung eines Pretests (Versuchsdurchlaufs) und den daraus abgeleiteten Modifikationen wurden die 26 Untertests des hamet 2 an 416 Schulabgängern/Berufsschuleinmündern geeicht. Unter Eichung wird verstanden, dass aus den Ergebnissen dieser 416 Personen, die alle den Test machten, Tabellen errechnet wurden, die es ermöglichen, Leistungen festzustellen und Ergebnisse miteinander zu vergleichen. Die erhaltenen Daten wurden einer Faktorenanalyse unterzogen, deren Ergebnisse liegen dem Aufbau und Darstellung des hamet 2 zugrunde. Sie ähneln letztlich der Struktur der ersten Untersuchung, erscheinen jedoch etwas differenzierter.

Der ursprünglich wichtigste Faktor 1 (an Begrenzungen heranarbeiten) hat jetzt 2 Schwerpunkte.

  • Eher einfache, feinmotorische Anforderungen

  • Nur ein Werkzeug kommt zum Einsatz, es gibt nur eine eindeutige Linie

  • Komplexere, eher grobmotorische Anforderungen
    Sie verlangen ein Mehr an Körpereinsatz, Zeichnungen müssen beachtet werden, der Einsatz mehrerer Werkzeuge ist erforderlich

Die Faktoren, die bisher nur mit einer Aufgabe erfasst wurden, beinhalten jetzt immer mindestens drei verschiedene Aufgaben. Ganz neu hinzu kam der Faktor, der etwas über die Fähigkeit des Einsatzes neuer Technologien PC, CNC aussagt.



6. Faktorenstruktur des hamet 2

Die Faktorenanalyse führte zu einer stimmigen und sinnvoll interpretierbaren Faktorenstruktur, die der Faktorenstruktur des HAMET nahe kommt, wenn gleich auch keine identischen Faktoren reproduziert werden konnten. Es wurden sechs Faktoren ermittelt:


Faktor A "Routine und Tempo"

Dieser Faktor zeichnet sich durch hohe Ladungen auf allen Untertests auf, die motorische Routinehandlungen unter Tempomotivation (ohne höhere kognitive Anforderungen) verlangen.


Bsp: Register sortieren

Aufgaben

Schrauben
M 10 - ein
M 10 - aus
M 4 - ein
M 4 - aus

Register - sortieren

Register - zusammentragen

Einfädeln

Servietten falten


Faktor B: "Werkzeugeinsatz und Werkzeugsteuerung (einfach)"

Dieser Faktor verkörpert die Anforderungen, vorgegebene Begrenzungen mit beliebigem Werkzeug oder einer Maschine zu erreichen oder entlang zu steuern und einzuhalten. Dazu ist eine fortlaufende Beobachtung des entstehenden Produktes notwendig, es muss ein genaues Maß eingehalten werden. Dies verlangt gezielten Werkzeugeinsatz und –steuerung


Bsp: Nähmaschine

Aufgaben

Schneiden mit Schabloniermesser

Ausmalen einer Figur

Nähmaschine steuern (ohne Faden)


Faktor C: "Wahrnehmung und Symmetrie"

Dieser Faktor lädt hoch auf denjenigen Untertests, die symmetrische Ergänzungen erfordern. Allerdings kommt zumindest eine weitere Komponente hinzu: Alle Untertest verlangen eine hohe Wahrnehmungsgenauigkeit im Sinnes eines Abtastens und Vergleichens (scanning)


Bsp: Linien fortsetzen

Aufgaben

Linien fortsetzen

Spiegelbilder ergänzen

PC - Daten übertragen

Scheiben - verteilen

Scheiben - symmetrisch


Faktor D: "Instruktionsverständnis und Instruktionsumsetzung"

Die hohen Ladungen auf den Untertests, die am PC durchzuführen sind, weisen auf ein Charakteristikum hin, das insbesondere für diese Arbeit von hoher Bedeutung ist: Vorgaben müssen genau verstanden und präzise umgesetzt werden, nur so ist am PC erfolgreiches Arbeiten möglich.


Bsp: Telefon programmieren

Aufgaben

PC - CNC-Koordinaten

PC - Telefon programmieren

PC - Text eingeben


Faktor E: "Werkzeugeinsatz und Werkzeugsteuerung (komplex)"

Die hohen Ladungen auf den Untertests weisen auf eine gestaltende, teilweise auch Kraft erfordernden Einsatz und eine komplexe Steuerung von Werkzeugen hin: Ein in einem Plan vorgegebene Figur muss mittels Werkzeugen reproduziert oder herausgearbeitet werden.


Bsp: Fisch feilen

Aufgaben

Fisch feilen - Anriss

Fisch feilen - Winkel

Draht biegen

Wasserwaage



Faktor F: "Messgenauigkeit und Präzision"

Dieser Faktor lässt sich als Anforderung an die Messgenauigkeit interpretieren:

Hinsichtlich einer genauen Anlage von Lineal oder Geodreieck an Bezugspunkte und eines punktgenauen Markieren der Maße bzw. Schnittpunkte. Er stellt hohe Anforderungen an die Genauigkeit der Ausführung.


Bsp: Maße bestimmen

Aufgaben

Maße bestimmen

Winkel mit Geodreieck zeichnen

Schnittpunkte nach

Vorgaben herstellen


Diese in die sechs Faktoren gegliederten 26 Untertests liegen in einer geeichten Standardversion, die für Anwendung beim Übergang von Schule in die Ausbildung (handwerkliche Berufe, einfache Dienstleistungsberufe) gedacht ist. Zusätzlich stehen einfachere und schwierigere Testaufgaben zur Verfügung, die in der Werkstatt für Behinderte bzw. bei Berufsabsolventen (z.B. Klienten in Reha-Kliniken) eingesetzt werden können. Für diese Aufgaben mit einfacherem bzw. höherem Schwierigkeitsgrad liegen aber keine Normen vor.



7. Eichung

Die Eichung ermöglicht den Vergleich eines individuellen Testwertes mit einer entsprechenden Bezugsgruppe. Für die Eichung des hamet 2 wurden mehrere Bezugsgruppen herangezogen:

  • Berufsschuleinmünder

    Den Normen liegt die Untersuchung einer hinsichtlich Schullaufbahn, Berufswahl und Geschlecht repräsentativen Stichprobe von 200 Berufsschuleinmündern (1. Ausbildungsjahr) zugrunde Unter Berufsschuleinmünder werden solche jungen Menschen verstanden, die sich um einen Ausbildungsberuf bewerben. Dazu gehören Abgänger unterschiedlichster Schulen, von der Förderschule bis zum Gymnasium. Bei der Eichung wurde darauf geachtet, dass diese Gruppe im Blick auf Schulart, Berufswunsch und Geschlecht den Angaben des statistischen Landesamtes Baden-Württemberg mit den Angaben für Berufsanfänger/innen in gewerblichen Berufen gleicht.

    Wird mit dieser Personengruppe verglichen, kann ersehen werden, wie die Leistungsfähigkeit im Vergleich zu gewerblichen Berufsschülern, die gerade eine Berufsausbildung beginnen, ist.


  • Schulabgänger (männlich/weiblich)

    Es liegen Normen für Schulabgänger aus der Förderschule (Eichung an 96 männlichen und 45 weiblichen Förderschülern), der Hauptschule (Eichung an 103 männlichen und 65 weiblichen Hauptschülern) und der Realschule (Eichung an 54 männlichen und 38 weiblichen Realschülern) vor.

Damit können aus dem Rohwert eines Probanden in der Regel zwei Normwerte ermittelt werden: der Normwert in Bezug auf Berufsschuleinmünder und der geschlechtspezifische Normwert in Bezug auf den Schulabschluss.



8. Testgütekriterien

Der hamet 2 wurde nach wissenschaftlich anerkannten Kriterien konstruiert. Validität, Reliabilität und Objektivität des hamet 2 wurden überprüft. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen - die im Handbuch zum hamet 2 ausführlich dargestellt sind – zeigen, dass diese Gütekriterien erfüllt werden. In der Praxis zeigte der jahrzehntelange Einsatz des HAMET im BBW Waiblingen bei verschiedenen Überprüfungen, dass diese Ergebnisse auch den Praktiker überzeugen und am Arbeitsplatz wichtige Hinweise erlaubt:

  • Es kann viel über die praktische Anstelligkeit ausgesagt werden. Ergebnisse des HAMET decken sich weitgehend mit Beurteilungen der Meister zu dieser Fragestellung

  • Die Ergebnisse der praktischen Prüfung, die Auszubildende im Metallbereich 3 Jahre nach der Durchführung des HAMET erreichten, zeigen signifikante Zusammenhänge mit den HAMET-Testergebnisse




9. Möglichkeiten des Einsatzes bei unterschiedlichen Behinderungsarten

Eine Umfrage bei Einrichtungen und Instituten ergab, dass der HAMET in folgenden Bereichen mit Erfolg eingesetzt wurde:

  • Förderschulen (8. +9. Klasse)

  • Berufsschulen (BVJ)

  • Berufsbildungswerke und sonstige Reha-Einrichtungen
    (Aufnahme- und Verlaufsdiagnostik, Förderlehrgänge)

  • Berufsförderungswerke und Reha-Kliniken

  • WfbM (Arbeitstrainingsbereich)

  • Betriebe (Ausbildungsbereich)


Die bevorzugte Anwendung des HAMET liegt in der Untersuchung lernbehinderter Schulabgänger. Allerdings ist der HAMET auch für Probanden mit anderen Behinderungsarten interessant. Aus den Rückmeldungen ergab sich, dass er auch bei hör- und sprachbehinderten Menschen und in Kliniken der medizinischen Rehabilitation verwendet wird. So war auch ein Ziel der Revision, für diese Personengruppen aus dem umfänglichen Angebot der HAMET-Untertests eine geeignete Auswahl zu treffen und die spezifischen Möglichkeiten dieser Untertests bei der Untersuchung von Probanden mit anderen Behinderungsarten zu beschreiben.


Einsatz im Bereich Geistig Behinderte

Eine Vorversion des neuen HAMET wurde im Oktober 1998 an 12 Beschäftigen der Werkstatt für geistig behinderte Menschen überprüft. Für die Untersuchung wurden diejenigen Beschäftigten ausgewählt, deren Arbeitsleistung laut Einschätzung der für sie zuständigen Anleiter im oberen Bereich der Werkstatt für Behinderte lag. Bei ihnen wurde ferner angenommen, dass die Erfahrungen und Ergebnisse der HAMET-Testung bzgl. ihrer weiteren Förderung nützliche Hinweise ergeben könnten.

In zwei Gruppen mit jeweils sechs Personen wurden die HAMET-Untertests mit geringerem Schwierigkeitsgrad erprobt (mit Ausnahme der PC-Tests, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Verfügung standen).

Außerdem wurde der revidierte Test mit acht Schülern der Sonderschule für geistig Behinderte (Werkstufe) durchgeführt.

Als Ergebnis dieser Untersuchungen kann festgehalten werden:

  • Die Beschäftigten und Schüler bearbeiteten diese HAMET-Aufgaben insgesamt sehr interessiert und motiviert.

  • Die einfachen handwerklichen Aufgaben und die Untertests zu Routinetätigkeiten können in der Regel gut bewältigt werden.

  • Die Untertests zum Messen überfordern in der Regel diesen Personenkreis, der Untertest "Maße" in der einfacheren Version erlaubt aber eine Abschätzung der kulturtechnischen Möglichkeiten.

  • Das Symmetrieverständnis/Formwahrnehmung ist bei diesem Personenkreis erwartungsgemäß stark eingeschränkt.

  • In einer vorausgehenden Untersuchung mit dem HAMET-R in der Werkstatt für geistig behinderte Menschen in Waiblingen (PFEIFFER, NEYER & TRESS, 1994) zeigte sich, dass als leistungsstark eingestufte Beschäftigte auch die Anforderungen der PC-Aufgaben "Daten übertragen" und "Koordinaten" bewältigen können, allerdings bei einem stark erhöhten Zeitbedarf.

  • Ein wesentlicher Punkt ist auch die zeitliche Planung. Der Spannungsbogen ist häufig, vor allem bei den Schülern der Werkstufe, gering. Dies muss bei der Zeit und Pausenplanung berücksichtigt werden.


Auf der Grundlage weiterer Untersuchungen - die im Rahmen einer fortlaufenden Revision geplant sind - könnte der hamet 2 eine sinnvolle Ergänzung zu den in den Werkstätten bekannten motorischen Verfahren, wie z.B. den MAST (Manual Abilities Scanning Test) darstellen.


Hörbehinderte Jugendliche

Im April 99 wurde der hamet 2 vollständig mit acht hörbehinderten Lehrgangsteilnehmern durchgeführt.

Dabei zeigte sich, dass die meisten Untertests auch nonverbal unterwiesen werden können und von den jungen Menschen auch bewältigt werden. Lediglich der Untertest "PC - Telefon programmieren" kann bei Hörbehinderten nicht durchgeführt werden, bei sprachbehinderten Personen ohne Hörschädigung dürfte er aber wertvolle Hinweise hinsichtlich ihrer Möglichkeiten im Blick auf Umgang mit schriftlichen Anweisungen geben.


Erwachsene in Rehabilitationsmaßnahmen

Der hamet 2 wurde auch im Rehabilitationskrankenhaus Ulm (RKU) erprobt. Der Personenkreis des besteht überwiegend aus Patienten mit medizinischen Erkrankungen (von Unfallfolgen bis zu Schlaganfällen, Hirnentzündungen und Nervenerkrankungen, Allergien und Amputationen wegen Karzinomen etc.), die eine berufliche Reha-Maßnahme notwendig machen.

Der HAMET wird seit ca. 10 Jahren in der beruflichen Reha-Abteilung eingesetzt, in der Patienten des Krankenhauses praktisch-berufliche Fertigkeiten erproben können. Im Unterschied zu jungen Menschen, bei denen in der Regel durch eine Untersuchung mit dem hamet 2 die für sie mögliche berufliche Erstausbildung geklärt werden soll, ist bei Erwachsenen Rehabilitanden/innen mehr die Frage, wo sie in ihrem Rehabilitationsprozess gerade stehen, und zwar auf dem Gebiet manueller beruflicher Anforderungen:

- Welche Bedeutung hat der Inhalt dieser Aufgabe im Hinblick auf meine Schädigung?

- Welche Aufgabe ist hinsichtlich meiner Interessen besonders wichtig?

- Was kann ich nicht, was müsste ich neu erlernen oder mir wieder erarbeiten ?

- Wo habe ich Trainingsbedarf?


Die Möglichkeit, über Vor- und Förderprogramme sich selbst die Aufgabeninhalte zu erarbeiten und sich auf die Testaufgabe vorzubereiten ist ein großer Vorteil im Blick auf eine „Erwachsene“ Untersuchung. Zusätzlich erscheinen auch Begleitblätter hilfreich, in denen für die Patienten Sinn und Ziel der Aufgabe deutlich gemacht wird. Die Untertests können so präsentiert werden können, dass sie in Eigenanleitung erlernt werden können, um einerseits dem durchschnittlich höheren Lebensalter der Probanden zu entsprechen, um andererseits die Fähigkeit zur Selbstqualifikation überprüfen zu können. Hier kann auch so gearbeitet werden, dass durch die Rehablitanden/innen selbst Ihre Aufgaben auswerten. Dadurch ist es möglich, sich selbst zu beurteilen, das vielleicht unbefriedigende Ergebnis ist dann nicht an eine Person gebunden, bleibt anonym.

Es kann der Schluss gezogen werden, dass bei der Untersuchung dieses Personenkreises potentiell alle HAMET-Untertests angeboten werden können, es sollte jedoch auch hier eine individuelle Auswahl getroffen werden.

Untersuchungen mit diesen verschiedenen Personengruppen zeigten, dass eine Anwendung des HAMET auch in solchen Bereichen möglich ist und für bestimmte Fragestellungen sinnvoll erscheint. Es ist nunmehr geplant, interessierten Einrichtungen, die Menschen mit spezifischen Behinderungen fördern, den revidierten Test zur Verfügung zu stellen, mit der Maßgabe, den Testautoren ihre Daten und Erfahrungen zu überlassen.

So könnte im Laufe der Anwendung des revidierten HAMET das ursprüngliche Ziel einer Diversifikation des Verfahrens auch in Richtung unterschiedlicher Behinderungsarten erreicht werden. Die daraus gewonnenen Daten und Erfahrungen können dann ebenfalls im Rahmen der fortlaufenden Revision den Testanwendern zur Verfügung gestellt werden.



10. Durchführung

Zur Durchführung des hamet 2 ist eine Werkstatt bzw. ein Werkraum mit Werkbänken und entsprechenden Werkzeugen erforderlich. Es ist ein Verfahren, das vom Praktiker in der Werkstatt durchgeführt werden muss. Als Ausstattung wird ein Werkbank mit Schraubstock, Hammer, Raspel, Feile, eine elektrische Haushaltnähmaschine und ein PC benötigt. Der hamet 2 kann von geschulten Arbeitspädagogen/-innen, Ausbildungsmeister/-innen und handwerklich erfahrenen Pädagogen-/-innen und Psychologen/-innen durchgeführt werden.

Für die Durchführung aller Untertests wird einschließlich Erholungspausen ein ganzer Arbeitstag benötigt. Bei gezielten Fragestellungen ist eine Auswahl von Untertests möglich und die Testdauer verkürzt sich entsprechend.

Für die Testdurchführung ist eine Situation günstig, die einer Werkstattsituation sehr nahe kommt, d.h. kein Laborcharakter. Die Aufgaben können individuell erklärt und angeleitet werden, dadurch, dass nur manuell selbst gearbeitet werden muss, kann der Stil sehr offen sein. Die Unterweisung und Anleitung der Testaufgaben kann sehr individuell gestaltet werden. Dazu dient das Vorprogramm. Es ist im Blick auf die Aufgabenstellung identisch zur Testaufgabe. Die Problematik ist nur abgewandelt, kürzer und auch etwas weniger komplex. Somit wird mit dem Test weniger die Fähigkeit geprüft, wie eine Testaufgabe verstanden wird, wie lange des braucht , bis der Groschen fällt, sondern wie wird die Aufgabe, nachdem sie Problemstellung klar ist, gelöst.

Das Vorprogramm ist somit ein zentraler Bestandteil des hamet 2. Es dient dazu, die für eine erfolgreiche Aufgabenbearbeitung notwendigen Arbeitstechniken zu vermitteln. Dabei muss sichergestellt sein, dass die Aufgabe bearbeitet werden kann, eine Bestleistung muss im Vorprogramm nicht erzielt werden. Folgende Punkte werden dadurch gewährleistet:

  • Aufgabenunterweisung
    Es kann der Behinderungsart bzw. des Leistungsvermögens einzelner Probanden individuell an die Problematik dieser Aufgabe herangeführt werden

  • Übungs- und Förderprogramm

Kommen Probanden/innen mit der Aufgabenstellung in der Kürze einer üblichen Unterweisung nicht klar, kann durch spezielle Hilfen und Förderprogramme versucht werden, ob die Problemstellung mit vermehrtem Übungsaufwand lösbar ist

Das Vorprogramm bewirkt, dass in der Regel die Testaufgabe inhaltlich nicht unterwiesen werden muss, da die Kenntnisse zur Durchführung im Vorprogramm erarbeitet wurden.

Nach dem Vorprogramm kann die Testaufgabe durchgeführt werden, wenn sichergestellt ist, dass die Aufgabe verstanden wurde. Somit ergibt sich dieser Ablauf:





Erfahrene Testleitungen werden in der Lage sein, sofern sie nur 2 Testungen gleichzeitig durchführen, während der Testung die Aufgaben auszuwerten und Beobachtungen zum Verhalten festzuhalten. Dann ist es möglich, sofort nach der Testung ein Rückmeldung zu geben. Der Abbruch bzw. die Anpassung des Tests an die Möglichkeiten des Probanden kann und sollte ebenfalls möglich sein.



11. Beobachtung des Arbeitsverhaltens

Neben der Ermittlung eines normorientierten Leistungsprofils (Qualität und Zeit) mittels der hamet 2-Aufgaben ermöglicht die praxisnahe Testdurchführung in der Werkstatt auch eine Beobachtung des Arbeitsverhaltens. Aussagen zu diesem Bereich sind für eine Beurteilung beruflicher Kompetenzen und für förderdiagnostische Empfehlungen ebenso bedeutsam wie die rein quantitativen Ergebnisse der hamet 2-Testung.

Das Arbeitsverhalten der Probanden kann im hamet 2 bei

  • der Unterweisung,

  • der Durchführung des Vorprogramms und

  • bei der Bearbeitung der Testaufgaben beobachtet werden.

Die Testautoren entschieden sich zur Beurteilung des Arbeitsverhaltens die systematisierte Beobachtung an ein wissenschaftlich anerkanntes und in der Praxis erprobtes Verfahren anzulehnen. Es werden Kriterien des ABB (Arbeitspädagogischer Beobachtungs- und Bewertungsbogen) zugrunde gelegt. Der ABB wurde von den Testautoren des HAMET-R wesentlich mit entwickelt (veröffentlicht durch die Stiftung ERTOMIS 1986).

Für den Praktiker wird es nicht schwer sein, Beobachtungsmerkmale anderer Verfahren in eine hamet 2 Testdurchführung (z.B. Melba) zu integrieren, jedoch muss bedacht werden, dass viele Dimensionen solch ausführlicher, auf Langzeiterfahrung mit den Rehabilitanden/innen angelegten Beobachtungshilfen in der Kürze einer Testdurchführung nur eingeschränkt oder nicht beobachtbar sind. Er wird sich auf die Dimensionen beschränken müssen, die in der Kürze der zeit auch sichtbar werden.



12. Selbstbeurteilung

Es ist möglich, die Fremdbeobachtung der Testleitung durch eine Selbstbeurteilung durch die Teilnehmer zu ergänzen. Der Fragebogen zur Selbstbeurteilung ist an den Arbeitspädagogischen Beobachtungs- und Bewertungsbogen (ABB), s.o., angelehnt. Damit besteht die Möglichkeit eines Vergleichs zwischen Fremd- und Selbstbeurteilung.

Der Selbstbeurteilungsbogen enthält Fragen zu folgenden Bereichen:

  • Arbeitsverhalten

  • Einschätzung der eigenen Leistung bezüglich der Faktoren

  • Berufliche Ziele

  • Bewertung des Tests.




13. Auswertung

Der hamet 2 steht für den Anwender auf CD-ROM zur Verfügung. Handbuch, Testmaterialen, PC-Aufgaben, Auswertung und Profildarstellung sind auf der CD-ROM enthalten. Erforderlich ist ein Multi-Media PC mit Windows 95/98.

Die quantitative Auswertung der Mehrzahl der Untertests erfolgt in der Regel mittels Fehlerzählung unter Zuhilfenahme von Auswertefolien. Alternative dazu wird auch eine Auswertung mit dem Flachbettscannner angeboten, damit ist eine ökonomische und hoch objektive Auswertung ermöglicht. Einige Aufgaben werden über die benötigten Zeitwerte ausgewertet, die Ergebnisse aus den PC-Aufgaben werden automatisch erfasst.

Die Ergebnisdarstellung erfolgt über den PC . Das individuelle Ergebnisprofil (bezüglich der einzelnen Untertests, aber auch hinsichtlich der Werte einzelner Faktoren und des Gesamtwertes) lässt sich in Bezug auf Arbeitsqualität und Arbeitstempo graphisch darstellen. Außerdem ist eine graphische Darstellung der Einschätzung des Arbeitsverhaltens über den PC möglich.

Die Interpretation der Ergebnisse wird im Handbuch erläutert. Es werden beispielhaft Profildarstellungen und Gesamtwerte interpretiert und die daraus abgeleiteten Förderansätze erläutert.



14. Interpretation, Förderdiagnostik

Für die Interpretation der hamet 2 - Ergebnisse eines Probanden ist die Kenntnis des Standardmessfehlers von Bedeutung, der von der Reliabilität der einzelnen Untertests abhängig ist. Diese Standardabweichung wurde errechnet und muss beachtet werden. Erfahrene Praktiker werden bei der Interpretation der Ergebnisse immer die Umstände beachten, unter denen diese Ergebnisse erhoben wurden und in die Beurteilung einfliesen lassen.

Wichtig ist die Tatsache, dass das Gesamtergebnis, so umfassend und sorgfältig es auch erhoben wurde, präsentiert nicht - wie oft erhofft - für junge Menschen ohne berufliche Vorstellung den geeigneten Beruf, die absolut richtige Fördermaßnahme ergibt. Ein solcher Gedanke lag auch der Entwicklung des HAMET und des hamet 2 nicht zu Grunde. Das durch die Aufgabendurchführung und Bewertung erhobene Leistungsprofil erlaubt es aber, berufliche Vorstellungen hinsichtlich ihrer Realisierungsmöglichkeit zu überprüfen. Als Instrument der Förderdiagnostik soll der hamet 2 aufzeigen, wo Ressourcen oder Defizite hinsichtlich eines Berufswunsches liegen und welche Förderempfehlungen daraus abzuleiten sind.

Förderdiagnostik beginnt damit, dass vor Testbeginn der Auftrag der Untersuchung klar ist und entsprechend dieses Auftrages die Auswahl der Aufgaben vor der Testdurchführung geplant wird. Um diese Auswahl treffen zu können, muss die Testleitung mit folgenden Punkten vertraut sein:

  • Kenntnisse beruflicher Inhalte und Anforderungen
    Anhand der Aufgabenbeschreibungen sollte erkannt werden, welche beruflichen Anforderungen den einzelnen Untertests zugrunde liegen.

  • Übersicht zur Auswahl von geeigneten Untertests
    Diese Beschäftigung mit Aufgabeninhalt und beruflicher Anforderung sollte schon im Vorfeld die Planung des Testdurchlaufes bestimmen, d.h. welcher Aufgabe wird besondere Bedeutung zugemessen, welche kann vernachlässigt werden?

  • Alternative Vorgehensweisen heranziehen
    Schwierigkeitsgrad der Aufgaben kennen und gegebenenfalls Anforderungen steigern bzw. reduzieren oder durch Förderprogramme einen möglichen Übungserfolg abschätzen

  • Kritische Punkte bei der Aufgabenbewältigung
    Wo ist es sinnvoller, die Aufgabe abzubrechen, wo sollte eine neue Chance gewährt werden?

  • Bedeutung des Arbeitstempos
    Es muss abgeschätzt werden können, welche Bedeutung bei der einzelnen Aufgabe dieses Verhältnis hat. So kann bei einem Beruf z.B. die Qualität hoch wichtig und der Zeitaspekt von geringerer Bedeutung sein, bei einem anderen umgekehrt.

Dies bedeutet, dass die Testleitung des hamet 2 sich einen Überblick über berufliche Anforderungen aneignen sollte, es genügt z.B. nicht, gute Leistungen im Untertest "Ausmalen" mit "Eignung für den Malerberuf" gleichzusetzen. Entscheidend ist gerade hier z.B. auch noch die Arbeitsgeschwindigkeit, die Umstellfähigkeit, Farbsicherheit. Diese Fragestellungen müssen unter Einbeziehung der anderen Aufgaben und der Verhaltensbeobachtung ermittelt werden. Erfahrene Testleitungen erlangen so in der Zusammenschau solcher Punkte einen Überblick, welche beruflichen Möglichkeiten realistisch sind, empfohlen werden können und welche Defizite dabei nicht außer acht gelassen werden dürfen.

Das Profil ist das eigentliche hamet 2 - Ergebnis. Es erlaubt eine differenzierte Betrachtung, zeigt Ressourcen und Defizite. Aus ihm kann auch in der Rückschau auf das Arbeitsverhalten geschlossen werden (Beispiel schlechte Qualität - hohes Arbeitstempo = wenig kontrollierte Vorgehensweise).

Diese Ausführungen zeigen, das mit der Konstruktion des hamet 2 erfahrenen Praktikern ein Werkzeug in die Hand gegeben wird, das bei verantwortungsvollem Umgang die Möglichkeit eröffnet, in relativ kurzer Zeit ziemlich objektive Aussagen zu einem Bereich zu machen, der ohne eine solche Untersuchung nur geschätzt werden kann. Ohne detaillierte Kenntnisse über den richtigen Einsatz des Tests und der Bedingungen, unter denen getestet werden kann, ist aber auch die Gefahr von Fehlinterpretationen gegeben. Diese Gefahr ist den Autoren durchaus bewusst und wir möchten deswegen dringend auf die Notwendigkeit von Schulungen verweisen.



15. Schulungen

Für einen fachgerechten Einsatz des hamet 2 ist eine Schulung der Testleitung zu empfehlen.

Deshalb werden von den Testautoren entsprechende Schulungen angeboten: Testanweisung, -durchführung, -auswertung und Interpretation werden praxisnah durch die Testautoren im Berufsbildungswerk Waiblingen in dreitägigen Seminaren vermittelt (s.u.)



16. Ausblick

Einige ursprünglich vorgesehenen Elemente der Testrevision konnten in der Projektlaufzeit nicht ausreichend berücksichtigt werden. Dazu gehören die Auswertung von Erfahrungen und die Entwicklung von Normen für spezielle Personengruppen (junge Menschen mit geistiger, psychischer oder körperlicher Behinderung). Es ist aber geplant im Rahmen einer fortlaufenden Revision des hamet 2 entsprechende Untersuchungen vorzunehmen und die Ergebnisse den Testanwendern in Form eines "updates" zur Verfügung zu stellen.

Weitergehende Überlegungen betreffen Diagnostik und Förderung berufsrelevanter Schlüsselqualifikationen, vor allem soziale Kompetenz, Lernfähigkeit und vernetztes Denken.

Diese Überlegungen können nun in dem neuen vom Bundesministerium für Arbeit geförderten Projekt "Entwicklung von Diagnose- und Trainingsmodulen zur Untersuchung und Förderung fachübergreifender beruflicher Kompetenzen im Rahmen einer erweiterten Anwendung des hamet 2" realisiert werden. Dieses Projekt vom ebenfalls vom bisherigen Mitarbeiterteam der Berufsbildungswerke Waiblingen und Offenburg durchgeführt, Ergebnisse werden im Herbst 2001 zur Verfügung stehen.



hamet 2
Handlungsorientiertes Testverfahren zur Erfassung und Förderung beruflicher Kompetenzen

von

M.Dieterich, M.Goll, G.Pfeiffer, J.Tress, F.Schweiger, F.Hartmann


Anfragen zum Bezug des hamet 2 und zu Schulungsterminen sind an das

Berufsbildungswerk Waiblingen
Steinbeisstr. 16
71322 Waiblingen

zu richten.



17. Literaturverzeichnis

  • DIETERICH, M.
    Zur Diagnostik und Förderung motorischer Fertigkeiten als Elemente
    der Berufsreife von Lernbehinderten
    Stuttgart 1980 (Phil.Diss.)

  • DIETERICH, M., MESSERLE, E.,
    GOLL, M:
    Handwerklich-motorischer Eignungstest HAMET
    Stuttgart (Testzentrale Hogrefe Göttingen) 1981,
    2. Aufl. 1984, Neuauflage HAMET-R 1990

  • DIETERICH, M.
    Expertenbefragung Berufsfeld Hauswirtschaft
    Unveröffentlichtes Manuskript, 1988

  • DIETERICH, M.
    Zur Berufsbewährung von Lernbehinderten.
    In: Vierteljahreszeitschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete.
    58 (1989) 2, S.158 - 175

  • ERTOMIS, Bildungs- und Förderungs-GmbH
    Hilfen zur Berufsfindung - Arbeitsprobenreihen Elektrotechnik,
    Wuppertal 1986

  • LIENERT, G.A.
    Die Drahtbiegeprobe (DBP)
    Göttingen 1967

  • LIENERT, G.A., RAATZ, U.
    Testaufbau und Testanalyse
    Weinheim 1998

  • PFEIFFER, G., NEYER, R., TRESS, J.
    Diagnostik im Grenzbereich F2-Lehrgang / WfB
    Unveröffentlichtes Manuskript,, 1994

  • REUTER, H.
    Evaluation diagnostischer Entscheidungen im Berufsbildungswerk Waiblingen
    Unveröffentlichte Diplomarbeit, Uni Freiburg, 1999


Download als Acrobat PDF, 131 kB