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Modellstandort Schwäbisch Gmünd
Vinzenz von Paul-Werkstätten
Die Vinzenz von Paul-Werkstätten in Schwäbisch Gmünd sind als Modellstandort von Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V. (CBP) vorgeschlagen worden. Träger der WfbM ist die Stiftung Haus Lindenhof. Die Stiftung wurde 1971 vom Bistum Rottenburg-Stuttgart und dem Caritasverband der Diözese geründet.
Die Vinzenz von Paul-Werkstätten beschäftigen rund 400 Menschen mit überwiegend geistiger und Lernbehinderung. In den Gesamtverband der Vinzenz von Paul - Werkstätten gehören 4 Außenstellen (Prodi-Werkstatt, St. Vinzenz, Demontage-Werkstatt, Obere Haldenhof), die Arbeitsangebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Hörbehinderungen bereitstellen. Die Tätigkeitsfelder sind hierbei weit gestreut. Sie gehen von Recycling-Arbeiten über Bio-Landwirtschaft bis zu unterschiedlichen Dienstleistungen. Neben den Vinzenz von Paul-Werkstätten gehört die Christophorus Werkstatt in Ellwangen zum Haus Lindenhof, so dass die Stiftung über 500 Menschen mit Behinderung die Teilhabe am Arbeitsleben ermöglicht.
Arbeitsbereiche
Folgende Arbeitsbereiche werden in den Vinzenz von Paul-Werkstätten angeboten:
- Metallbearbeitung:
Drehen, Fräsen, Sägen, Bohren, Gewindeschneiden, Entgraten
- Kunststoff:
Ultraschallschweißen, Folienschweißen
- Montagearbeiten:
Kunststoff- und Metallmontage spezieller Fertigprodukte und komplexer Baugruppen
- Elektromontage:
Komplettmontage von Kabelbäumen für unterschiedlichste Branchen inklusive Materialbeschaffung, Teil- und Komplettmontage von Elektrobaugruppen
- Verpacken:
Konfektionieren und Verpacken von unterschiedlichsten Teilen
- Holzbearbeitung:
Zuschnitte, Hobelwaren, spezielle Anfertigungen nach Kundenwunsch, Metzgereihaublöcke, Familiensystem
- Demontage:
Zerlegung von Elektro- und Elektronik-Altgeräten, sachgemäße Entsorgung (Entsorgungsfachbetrieb gemäß § 52 KrW-/AbfG)
- Dienstleistungen:
Kurvertierungs-, Sortier- und Versandarbeiten, Datenerfassung und Etikettieren (auch mit Barcode), Mailingservice inklusive Transportlogistik, Pflege von Hydrokulturen in Bürogebäuden
- Produkte:
Metzgerei-Haublöcke, Familiensystem
Berufsbildungsbereich
Der Berufsbildungsbereich (BBB) der Werkstatt ist im Haupthaus integriert. Die Teilnehmer werde in unmittelbarer Nähe zu den Arbeitsbereichen der WfbM qualifiziert. Ziel der arbeitspädagogischen Unterstützung ist es, die Teilnehmer durch planmäßige, individuelle, berufliche Bildung in ihrer Leistungsfähigkeit und Persönlichkeitsentwicklung so zu fördern, dass eine geeignete Beschäftigung im Arbeitsbereich der WfbM oder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt möglich ist. Ein Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbarer Arbeit ist somit nicht Voraussetzung für die Aufnahme in den BBB, sondern vielmehr ein Förderziel der Qualifizierung.
Die Qualifizierung ist in einen Grund- und einen Aufbaukurs jeweils auf die Dauer von einem Jahr angelegt. Schwerpunkte im Grundkurs sind die Vermittlung grundlegender beruflicher Kenntnisse. Diese werden im Aufbaukurs weitergeführt sowie durch die Vermittlung sozialer Schlüsselqualifikationen und mehrwöchiger Praktika innerhalb und außerhalb der WfbM ergänzt. Für jeden Teilnehmer im BBB wird ein individueller Begleitplan erstellt.
Grundlage dieser Begleitplanung ist das Detmolder Lernwegemodell (DLM), ein wissenschaftlich abgesichertes System zur beruflichen Bildung Erwachsener. Wichtige Aufgabe des BBB ist zudem die Verbesserung der Rahmenbedingungen zur Entwicklung von Selbstbestimmungsmöglichkeiten. Diese werden als grundlegendes Element der Persönlichkeitsentwicklung angesehen.
Förder- und Betreuungsbereich
Wer nicht in den Werkstätten der Stiftung Haus Lindenhof aufgenommen werden kann, erhält im Förder- und Betreuungsbereich (FBB) eine Tagesstruktur, die seine Gesamtpersönlichkeit anregen und fördern soll. Richtziel der Angebote im FBB ist, über Anregung und Bewegung bis hin zur Beschäftigung und Arbeit die personale und soziale Integration der Menschen mit einer schweren geistigen Behinderung bzw. Mehrfachbehinderung zu begleiten und zu unterstützen.
Der Förder- und Betreuungsbereich ist in drei Teilbereiche differenziert:
- 1. Eingangsstufe:
Die Eingangsstufe ist offen für alle Menschen mit einer Behinderung, die ihren Wohnbereich als primären Lebensbereich verlassen können. Aufnahme soll jeder finden, unabhängig seiner körperlichen und kognitiven Entwicklung.
- 2. Aufbaustufe:
In der Aufbaustufe werden Menschen mit Behinderung aufgenommen, die Aufgaben erfüllen können, die über die eigene Bedürfnisbefriedung hinausgehen und die in Kleingruppen gefördert und beschäftigt werden können.
- 3. Arbeitsgruppe im Förderbereich:
Hier werden Menschen mit Behinderung aufgenommen, die aufgrund von schweren Verhaltensauffälligkeiten nicht in der Werkstatt aufgenommen werden können.
aktionbildung
Der BBB der Vinzenz von Paul-Werkstätten erweitert im Rahmen von aktionbildung sein Angebot. Personen aus der Aufbaustufe und Arbeitsgruppe des FBB werden in der konzeptionellen Neugestaltung des BBB mit berücksichtigt. aktionbildung sucht nach Ansätzen beruflicher Bildung für schwerst- und mehrfachbehinderte Menschen. Die Kompetenzen des BBB und des FBB werden zusammengeführt, um der Zielformulierung des SGB IX "Teilhabe am Arbeitsleben" gerecht zu werden.
Dafür werden zunächst förderdiagnostische Methoden bereitgestellt, die Fachkräften zur Arbeits- und Berufsförderung eine handhabbare Förderplanung ermöglichen. Nachdem realistische Förderziele benannt sind, werden Methoden beruflicher Bildung erprobt, die für Menschen mit schweren Behinderungen geeignet erscheinen.
Ziel dieser Unterstützungsleistungen ist die schrittweise Entwicklung und Stabilisierung der Gesamtpersönlichkeit der Teilnehmer, als Voraussetzung einer differenzierteren Qualifizierung. Neben förderdiagnostischen Methoden werden vor allem Arbeitshilfmittel aus verschiedenen Bereichen (Arbeitswissenschaft, Sonderpädagogik, Reha-Technik etc.) gesucht, entwickelt und erprobt.
November 2001
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